Die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf nahm heute an der Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Burgdorfer Stadtpark teil. Am Mahnmal wurde den Opfern von Krieg, Vertreibung und Gewaltherrschaft gedacht und ein Kranz des "Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge" niedergelegt.

Am Samstag endete für 16 Teilnehmer aus der Stadtfeuerwehr Burgdorf der Lehrgang "Truppmann 1". An mehreren Tagen der Woche wurden die Teilnehmer in das 1 x 1 der Feuerwehr unterwiesen.

Ganz besonders freuen wir uns für Björn und Jürgen, die von jetzt an die Ortsfeuerwehr Burgdorf verstärken und an Einsätzen teilnehmen können. Ebenfalls am Samstag endete für Alexander und Niklas ihre "Truppmann 2" Ausbildung. Obwohl diese üblicherweise in zwei bis drei Jahren in der Ortsfeuerwehr erarbeitet werden muss, schafften beide die Ausbildung bereits nach einem Jahr abzuschließen.

Herzlichen Glückwunsch!

Am 29.10.1871 um 14:00Uhr fanden sich nach Aufruf im "Burgdorfer Wochenblatt", 19 Burgdorfer Bürger im Ratskeller ein, um die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf zu gründen. Protokollführer war damals der spätere Hauptmann Wilhelm Niemack (*1835 - 1908+). Dieser hatte das Amt bis 1895 inne und wurde später zum "Ehrenhauptmann" ernannt.

Anfang November ging beim Magistrat das "Gesuch und Vorstellung wegen Einrichtung einer freiwilligen Feuerwehr herselbst" ein. Aus "verwaltungsmäßigen Abrechnungsgründen" ist die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Burgdorf auf den 31.Oktober 1871 datiert worden. 

Die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf gedenkt heute ihrer jüdischen Kameraden, 

die während des Dritten Reiches entrechtet und ermordet wurden.

Als 1871 die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf gegründet wurde, gehörten wie selbstverständlich auch Mitglieder der Burgdorfer jüdischen Gemeinde dazu. War es doch eine Möglichkeit sich für und in seiner Heimatstadt persönlich einzubringen und ein Teil davon zu sein.

Die Aktenlage von damals ist leider etwas „dünn“ und somit auf wenige Dokumente und Bilder begrenzt. Sie zeigt aber trotzdem nachhaltig, dass jüdische Mitbürger in der Feuerwehr aktiv waren.

Am eindrucksvollsten kann dieses, wenn auch nur stellvertretend für alle, an unserem Kameraden Georg Jacobsohn aufgezeigt werden.

Georg Jacosohn, Jahrgang 1872, kam 1905 zur Feuerwehr. 1911 fuhr er mit sechs anderen Kameraden der Feuerwehr zur Weltausstellung nach Turin, um an den dort stattfindenden Feuerwehr-Wettbewerben teilzunehmen.

In der Mitte Georg Jacobsohn

Die Mannschaft gewann dort als einzige deutsche Freiwillige Feuerwehr einen Ehrenpreis und wurde von den übrigen Mannschaften für ihre dort abgerufen Leistung überaus gelobt. Auf einer Mitgliederliste aus den 1920er Jahren ist Jacobsohn als Gruppenführer der Handdruckspritze vermerkt. In einem anderen Dokument aus dem Jahr 1931 an den Magistrat der Stadt Burgdorf wird Georg Jacobsohn als Adjutant der Feuerwehr-Führung vorgeschlagen.

 

 

Dieser lässt der Feuerwehr mitteilen, dass er in der Sitzung vom 02.02.31 mit der Wahl „einverstanden“ ist. Er gehörte damit neben dem Hauptmann Wilhelm Lüders und seinem Stellvertreter August Geissler zur obersten Führungsebene der Burgdorfer Feuerwehr.

Nach der Machtergreifung 1933 wurden die Feuerwehren im Reich nach und nach ein Teil der Polizei und der Name Georg Jacobsohn aus dem Beitragsbuch gestrichen. Dazu wurde vermerkt "Ausgetreten am 01. September 1933".

In einer Mustersatzung, die auch in Burgdorf vom Landrat 1934 „vorgeschrieben“ wurde, war es fortan nur noch „arischen“ Bürgern erlaubt, Mitglied der Feuerwehr zu sein.

  

Diese Mustersatzung wurde am 15.01.1934 in Burgdorf auf einer Mitgliederversammlung der Freiwilligen Feuerwehr einstimmig beschlossen.

Auf einen Ehrenabend am 31. Mai 1934 wurden 22 Kameraden in die Altersabteilung verabschiedet, darunter auch Georg Jacobsohn. Ob Jacobsohn daran teilgenommen hat, ist nicht bekannt.

Unvorstellbar muss der empfundene Schmerz von Georg Jacobsohn gewesen sein. Er, der seiner deutschen Heimat als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg gedient hat, in seiner Heimatstadt als Geschäftsmann, im Schützenverein, als Gründungsmitglied des VVV und nicht zuletzt in der Feuerwehr integriert und geachtet war, durfte nicht mehr dazu gehören.

Georg Jacobsohn ist mit  seiner Familie am 15.12.1941 ins Ghetto nach Riga deportiert und später für tot erklärt worden . Auf dem Gedenkfries im Schloss sind die Namen nachzulesen.

 

Dieser Text soll weder Anklage noch kann er eine Entschuldigung sein, für eine Zeit die wir aktiven Feuerwehrkameraden nicht miterlebt haben. Vielmehr ist er als Mahnung gedacht. Als Mahnung, auch gerade in einer schnelllebigen Zeit wie heute - in der es immer einfacher zu sein scheint, Menschen auszugrenzen, öffentlich bloß zu stellen oder zu verurteilen - sich am Leitbild des Deutschen Feuerwehrverbandes zu orientieren:

Die Feuerwehr steht für eine Gemeinschaft, die Menschen Hilfe leistet unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht und Ansehen der Person.“

Wie die Überschrift vermuten lässt, machen wir einen Zeitsprung.

Die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf hat von einem Feuerwehrwettkampf, welcher bei der Weltausstellung 1911 in Turin stattfinden soll, gehört. Auf den ersten Blick ist das erst mal keine alt zu große Sache. Schnell finde ich im passenden Routenplaner die Entfernung zwischen Burgdorf und Turin. 1090 km sollen das heute mit dem Auto sein und die Fahrt so um die 11 Stunden dauern. Die Bahnverbindung wiederum wird mit ca. 12 Stunden angegeben. Hier ist aber der erste Denkfehler. Im Burgdorf von 1911 gab es kein Internet. Auch das erste Feuerwehrauto, welches in Burgdorf fuhr, ein Audi M, wurde erst 1934 in Dienst gestellt. Bleibt also die Bahn als Mittel der Fortbewegung. Hier stellt sich ein ganz anderes Problem. Die Reichsbahn wurde erst 1919 gegründet und der Langstreckenreisende musste sich mit gleich mehreren Bahngesellschaften auseinandersetzen. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass besagte Züge auch noch an fast jeder Milchkanne angehalten haben, gehe ich mal ganz stark davon aus, dass die heute angegebene Reisezeit von ~12 Stunden wohl kaum eingehalten werden konnte. Zu guter Letzt bleibt noch die Frage der Finanzierung. Hier gibt es auf die Schnelle keine wirklich sichere Antwort, nur soviel sei gesagt „Es war bestimmt nicht billig“

Aber weil wir das Jahr 1911 schreiben und nicht nur das Deutsche Reich, sondern auch die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf gerade mal 40 Jahre alt sind , wollen sich sieben Burgdorfer Feuerwehrmänner auf den Weg machen, um in Italien ihr Bestes zu geben.

Diese sieben waren:

Hauptmann Oskar Müller

Zugführer Friedrich Tamme

Gruppenführer Henry Bauer

und die Mannschaften Georg Jacobsohn, Heinrich Katenhusen, Herrmann Klopp und Paul Rudloff,

 

Dazu schrieb das Burgdorfer Kreisblatt:

Lokales und aus dem Kreise.

Burgdorf, den 26.August 1911

An der anlässlich der Welt-Ausstellung in Turin (Italien) veranstalteten internationalen Feuerwehr – Konkurrenz beteiligte sich auch eine Abteilung der hiesigen Feuerwehr. Außer 55 italienischen Wehren nahmen 31 freiwillige und Berufsfeuerwehren aus Österreich-Ungarn, Frankreich, Schweiz, England und Deutschland an der Konkurrenz-Übungen teil. Es gelangten an die ausländischen 31 Wehren 3 goldene, 2 silberne und 6 bronzene Medaillen zur Verteilung. Außerdem wurde den mit Medaillen preisgekrönten Wehren je ein Ehrenpreis überreicht. Die feierliche Preisverteilung wurde auf der Ponte Monumentale neben der deutschen Ausstellung vorgenommen. Auf einer erhöhten Balustrade nahmen die Führer der in- und ausländischen Wehren mit ihren Fahnen, auf dem Platze sämtliche Wehren Aufstellung. Nach einer Ansprache gab der Präsident des Preisgerichts das Resultat bekannt. Der freiwilligen Feuerwehr Burgdorf wurde unter Beifallsklatschen, der nach tausenden zählenden Feuerwehrleute, ein wertvoller Ehrenpreis überreicht. Außerdem wurde der Wehr die silberne Medaille zuerkannt und dem Führer der Wehr ebenfalls eine silberne Medaille verliehen. Wenn man berücksichtigt, dass die meisten ausländischen Wehren mit 20-40 Mann in Konkurrenz traten, während die Burgdorfer Wehr mit nur 7 Mitgliedern sich an dem Wettstreit beteiligte, so kann man der hiesigen Wehr zu dem Erfolge nur gratulieren. Nach dem Urteil der anwesenden Führer größerer russischer und österreichisch-ungarischer Wehren, ist dieser Erfolg in erster Linie, im Gegensatz zu verschiedenen französischen Wehren, auf die exakte Ausführung der Übung und das ruhige Verhalten der Mannschaft zurückzuführen.

Der Erfolg ist um so bemerkenswerter, als die hiesige Wehr als einzige deutsche freiwillige Feuerwehr an der Konkurrenz teilnahm. Hatten die Teilnehmer auch sehr unter der Hitze zu leiden, so war die Aufnahme doch eine überaus freundliche. Bei Ankunft in Turin spielte die Musik die deutsche Nationalhymne und nicht nur der deutsche Konsul Herr von Küllmer, sondern besonders der Vorsitzende des deutschen Klubs Herr Küper haben sich der Teilnehmer in überaus herzlicher Weise angenommen. Der Führer der hiesigen Wehr, Hauptmann Müller, konnte deshalb bei dem offiziellen Festbankett, zu dem die Führer der ausländischen Wehren vom Oberbürgermeister von Turin eingeladen waren, dieser freundlichen Aufnahme und dem Danke dafür besonders Ausdruck verleihen. Auch die übrigen Kameraden wurden seitens der Stadt Turin festlich bewirtet. Ebenso folgten die Teilnehmer der freundlichen Einladung des Vorsitzenden des deutschen Klubs zu einem deutschen Bierabend im Münchner Bürger-Bräu der Ausstellung. Waren die Tage für die Teilnehmer an der Fahrt auch anstrengende, so können sie doch mit Befriedigung auf den Erfolg und in angenehmer Erinnerung auf das in Turin und auf der Reise durch die Schweiz Gesehene zurückblicken. Mit der Wehr wird sich auch unsere Einwohnerschaft darüber freuen, dass die hiesige Wehr die Stadt Burgdorf und unser deutsches Vaterland in so würdiger Weise vertreten hat. Der auf einem Marmorblock ruhende ca. 40 cm hohe Ehrenpreis (im Schaufenster von G.W.Müller ausgestellt) ist künstlerisch aus Bronze gefertigt. Auf einem erhöhten Sockel steht, das Wappen Turin darstellend, ein bekränzter Stier, über dem die Siegesgöttin schwebt, in der Hand einen Lorbeerzweig haltend. Das Ganze wird bekrönt durch zwei an den Seiten angebrachte Lorbeerbäume, aus deren Geäst ein Pokal gebildet ist.

 

Wie unsagbar Stolz müssen diese Männer gewesen sein, als sie diesen Pokal nach dem Wettkampf in den Händen hielten und diesen dann später in ihrer Heimatstadtvorzeigen konnten.

Damals befand sich das Feuerwehrhaus noch in der Straße „Vor dem Hannoverschen Tor“ (neben dem Finanzamt). Da es in diesem Gebäude wohl keine Möglichkeit gab, diesen Pokal in einem Gemeinschaftsraum zu präsentieren, muss dieser wohl von einem der Teilnehmer mit nach Hause genommen worden sein.

Nach mehreren Standortwechseln des Feuerwehrhauses verlor sich mit der Zeit auch der Pokal.

Ende 2017 bekam dann die Kulturabteilung der Stadt eine Anfrage von Antiquitätenhändler Herrn Plate aus dem Münsterland. Diese Anfrage wurde von Herrn Stefan Heuer an die Feuerwehr weitergereicht.

Durch die Unterstützung von Alfred Brönnemann, Matthias Paul, Armin Pollehn und Klaus Volkmann, haben wir dieses Relikt letzten Mittwoch beim Übungsdienst wieder zurück erhalten.

Infos im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung_Turin_1911